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PRINZGAU/podgorschek: SCHWANENSTILLE ARCANA
Temporäre Installation | Kriegerdenkmal St. Gallen/Steiermark | Sommer 2010


Weil Schwäne, wie es seit früher Zeit heißt, im Sterben wunderschön singen, wurde der Schwanengesang zum poetischen Vorstellungsbild für allerletzte Botschaften. Es sind aber auch Geschichten überliefert, in denen dem Adler, diesem mächtigen, zum Herrschaftssymbol gewordenen Raubvogel, vom Schwan das Singen beigebracht wird, um ihn zu besänftigen. Dass im verärgert und aggressiv klingenden Krächzen von Schwänen ein geheimnisvolles Potenzial steckt, deutet sich etymologisch bereits in ursprünglichen, Dimensionen von Sprachlosigkeit meinenden Wortbedeutungen von Schwan an: Geschrei, Töne, Gesang, Musik.

Der Verleger Klaus Wagenbach ist 1974 in Berlin zu 9 Monaten Gefängnis auf Bewährung und Verfahrenskosten von 30.000 DM verurteilt worden, weil in einem seiner Bücher u. a. zur „Veränderung von Kriegerdenkmälern“, also zu vorsätzlicher Sachbeschädigung, aufgerufen wurde. „Angesichts der Millionen Toten eines faschistischen Krieges“ hatte er das für dringend notwendig gehalten. „Und es sind ja auch einige verändert worden“, heißt es bei ihm nunmehr dazu (Die Freiheit des Verlegers, Berlin 2010).

Als exquisite Umgebung für sein von jüdischen Vorbesitzern „arisiertes“ Berliner Domizil hatte sich Joseph Goebbels, der Propagandist des „totalen Krieges“, die Havelinsel Schwanenwerder am Ausgang des Großen Wannsees ausgesucht. Auch Albert Speer und Hitlers Leibarzt Theo Morell wohnten dort.

Dokumente belegen, dass der SS-Chef Heinrich Himmler sogar weiträumig nachforschen ließ, wo überall „an früheren Hinrichtungsplätzen heute noch die Raben in besonderem Maße kreisen oder sich dort niederlassen“ (Helmut Heiber [Hg.]: Reichsführer! … Briefe von und an Heinrich Himmler, München 1970).

Während er als Soldat in Russland verwundet im Schnee gelegen ist, das hat unser Freund Gerd Marquant, Vater des Malers Peter Marquant, immer wieder betont, träumte er nur von einem Daunenbett. Freiwillig in ein Umerziehungslager gelangt, ist er in Wien bald wieder aus der Kommunistischen Partei ausgetreten, weil diese sich viel zu sehr in sein Leben einmischte.

Christian Reder






Lesung aus dem Makrostaub

















Schwanenstille
















http://www.arcanafestival.at
 
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